Krankenhaushygiene in den Kliniken Südostbayern
Die Kliniken Südostbayern haben, wie nur vergleichsweise wenige Kliniken in Deutschland, eine eigene Abteilung für Krankenhaushygiene, die von einer Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie geführt wird. Zusammen mit der Abteilung für klinische Infektiologie bildet die Abteilung für Krankenhaushygiene die Grundlage für eine optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten unter dem Aspekt der Prävention, Diagnostik und Therapie von Infektionen.
Als zentrale klinische Einrichtung ist die Krankenhaushygiene für die direkte und indirekte Patientenversorgung in allen Abteilungen der Kliniken Südostbayern AG zuständig.
Krankenhaushygiene Was macht Hygiene im Krankenhaus?
Die Aufgabe der Krankenhaushygiene ist die Prävention von Infektionen, die im Zusammenhang mit einer Behandlung im Krankenhaus entstehen können (krankenhauserworbene Infektionen). Als zentrale klinische Einrichtung ist die Krankenhaushygiene für die direkte und indirekte Patientenversorgung in allen Abteilungen der Kliniken Südostbayern AG zuständig.
Die Kliniken Südostbayern haben, wie nur wenige Kliniken in Deutschland, eine eigene Abteilung für Krankenhaushygiene, die von einer Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie geführt wird.
Krankenhauserworbene Infektionen
Hat ein Patient oder eine Patientin während des Krankenhausaufenthaltes eine Krankenhauserworbene Infektion entwickelt, kann diese auch durch Patienteneigeneflora verursacht werden.
Nur ein Teil der Krankenhauserworbenen Infektionen entsteht durch Defizite in der Standardhygiene. Deswegen ist die Händedesinfektion, die ein Teil der Standardhygiene ist, die wichtigste präventive Maßnahme bei Entstehung Krankenhauserworbener Infektionen.
Meist keine "Hygienefehler"
Hat ein Patient oder eine Patientin eine Krankenhausinfektion entwickelt, kann man deshalb daraus nicht den Schluss ziehen, dass Defizite bei der Patientenversorgung (Stichwort: mangelnde Hygiene) die Ursache waren. Allerdings kann dennoch ein relevanter Teil der Krankenhausinfektionen durch so genannte Standardhygienemaßnahmen, hier vor allem die Händehygiene, verhütet werden.
Denn mit den Händen des Personals können Bakterien bei der Patientenversorgung von einer Körperstelle des Patienten / der Patientin an eine andere gelangen, z. B. aus dem Nasen-Rachenraum an die Einstichstelle von Venenkathetern oder an Wunden.
Sie können aber auch aus der Umgebung des Patienten oder der Patientin stammen (z.B. Wunde eines Mitpatienten) oder über die Hände des Personals an geeignete Eintrittspforten (z.B. ebenfalls an Wunden oder Tracheostoma) gelangen, wo sie Zugang zum Körper des Patienten / der Patientin finden.
Häufigkeit von krankenhauserworbenen Infektionen
Zu der deutschlandweiten Häufigkeit von Krankenhausinfektionen gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Angaben wie 500.000 oder 800.000 nosokomiale Infektionen und dadurch verursachte 40.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland sind Hochrechnungen auf der Basis viel zu geringer Fallzahlen, die teilweise noch dazu schon seit 20 Jahren in dieser oder ähnlicher Form besonders gerne von den Medien aufgegriffen werden.
Meist wird dabei noch nicht einmal darauf hingewiesen, dass auch bei optimaler krankenhaushygienischer Versorgung der Patienten und Patientinnen die Mehrzahl dieser Infektionen gar nicht zu verhüten ist. Ebenso wird nicht gesagt, dass die Erreger dieser Infektionen in der überwiegenden Zahl der Fälle aus dem patienteneigenen Erregerreservoir stammen und nicht etwa durch mangelhafte Hygiene auf die Patienten und Patientinnen übertragen werden.
Deshalb ist es auch nicht richtig, wenn bei derartigen Darstellungen darauf hingewiesen wird, dass diese Infektionen durch bessere Händehygiene vermeidbar wären. Diese Zahlen basieren nicht auf einer seriösen Grundlage und sollten am besten nicht beachtet werden, denn sie tragen nur zur Verwirrung der Bevölkerung bei, leisten aber keinen Beitrag dazu, die reale Situation von krankenhauserworbenen Infektionen zu beschreiben.
Resistente Erreger
Die meisten Bakterien der normalen Körpereigenerflora sind bei gesunden Menschen selten für Infektionen verantwortlich und sind normalerweise gegen Antibiotika empfindlich. Im Krankenhaus kann aber ein Teil zu Erregern von Infektionen werden (im Zusammenhang mit sog. invasiven Maßnahmen, wie z.B. Legen eines Blasenkatheters, Venenkatheters und maschineller Beatmung).
Durch wiederholte und langwierige Antibiotikatherapie können einzelne Stämme eine Resistenz gegenüber einigen Gruppen der Antibiotika entwickeln – da spricht man von multiresistenten Erregern.
Multiresistente Erreger befinden sich auch in unserer Umgebung und bei den Tieren, die zunehmend häufig mit Antibiotika behandelt werden.
Aufgabe des Fachs Krankenhaushygiene
Die Infektionsrisiken zu erkennen und geeignete Regeln und Maßnahmen zu entwickeln, diese Risiken zu beseitigen oder zumindest so weit wie möglich zu reduzieren, ist die zentrale Aufgabe der Krankenhaushygiene. Es geht dabei um den Schutz bzw. Prävention vor Krankenhauserworbenen Infektionen.
Es gilt also bei der medizinischen Versorgung von Patienten und Patientinnen, die Zugangswege für Infektionserreger zu empfänglichen Körperstellen zu versperren oder zumindest so beschränken, dass ihre Zahl niedrig gehalten und dadurch das Risiko einer Infektion begrenzt werden kann.
Standardhygiene
Standardhygiene = Schutz vor Erregerübertragungen (fast) jeder Art. Dazu gehört auch, dass Erregerübertragungen, z. B. ausgehend von Mit-Patienten oder aus der sog. unbelebten Umgebung, durch geeignete Maßnahmen verhindert werden müssen. Das wird durch die Maßnahmen der Standardhygiene erreicht.
Darunter versteht man Standardmaßnahmen in Standardsituationen, beispielsweise:
- Händedesinfektion vor und nach einem Wundverbandswechsel (ggf. auch Anlegen von Schutzhandschuhen bei feuchten und/oder großen Wunden und anschließendes Ausziehen der Handschuhe) oder
- Einzelzimmer mit eigenem Bad/WC für einen Patienten / eine Patientin mit unkontrollierbarem Brechdurchfall sowie Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt und Anlegen von Handschuhen, wenn Kontakt mit Erbrochenem oder Stuhlgang möglich ist, und danach Ausziehen der Handschuhe, auch wenn sie optisch sauber geblieben sind, oder
- Händedesinfektion vor jedem Patientenkontakt, wenn beim medizinischen Personal eine obere Atemwegsinfektion (mit Schnupfen und Husten) vorliegt, und Anlegen einer OP-Maske, wenn man dabei einen nahen (< 1 m) Kontakt von Angesicht zu Angesicht hat (Gleiches gilt für den umgekehrten Fall, dass der Patient ein solche Infektion hat), oder
- Inhalations- und Verneblungstherapie nie mit Leitungswasser, sondern ausschließlich mit sterilem Wasser zum Schutz der Atemwege vor den normalerweise im Wasser vorhandenen Wasserbakterien, wie z. B. Pseudomonas aeruginosa und Legionellen.
Die Maßnahmen der Standardhygiene müssen bei jedem Patienten / jeder Patientin praktiziert werden, ganz gleich, ob eine Infektion (mit welchem Erreger auch immer) bekannt ist oder nicht. Sie schützen vor der Übertragung nahezu aller Erreger, die bei der Patientenversorgung eine Rolle spielen können.
Nur wenige Erreger, wie insbesondere die der Tuberkulose, werden auf einem anderen Weg übertragen, nämlich über die Luft. Dies gilt bei der Tuberkulose aber auch nur dann, wenn der Patient eine sog. offene Tuberkulose der Atemwege hat. Die Erregerübertragung durch die Luft, sog. aerogene Übertragung, spielt bei den typischen Erregern von Krankenhausinfektionen jedoch keine Rolle.
Händehygiene
Die meisten Infektionen werden über die Hände übertragen, daher ist die Händedesinfektion der effektivste Schutz vor der Infektionsübertragung.
Diese Erregerübertragungen kommen in den meisten Fällen über die Hände des medizinischen Personals zustande, weshalb die Händehygiene, also in erster Linie die Händedesinfektion mit alkoholischen Desinfektionsmitteln, eine große Rolle bei der Versorgung von Patienten und Patientinnen spielt.
Die Händedesinfektion ist eine einfache Maßnahme, die nur 30 Sekunden dauert. Obwohl diese Maßnahme schnell, billig und äußerst wirksam ist, wird sie zu selten durchgeführt.
Handschuhe
Der Gebrauch von den medizinischen Einmal-Handschuhen ist auch ein wichtiger Aspekt des Schutzes von Personal und Patienten.
Personalschutz (insbesondere Schutz vor Blutkontakt) und Schutz der Hände vor grober Verunreinigung bzw. vor zu hohen Keimzahlen (Kontakt mit Erbrochenem oder Stuhlgang bei Brechdurchfall) gehen teils ineinander über. Auch deshalb ist es von großer Bedeutung, dass die Handschuhe nach der Tätigkeit, für die sie angezogen wurden, sofort abgelegt werden, weil sie sonst zwar den Träger schützen, aber für die Patienten und Patientinnen zu einem Übertragungsvehikel für Infektionserreger werden können.
Wie machen es die Kliniken Südostbayern?
Wenn Erreger von den meisten Krankenhausinfektionen, z. B. von einem auf den anderen Patienten, übertragen werden, handelt es sich immer um die gleichen Übertragungswege, unabhängig davon, ob die Erreger gegen alle Antibiotika empfindlich sind oder nicht, also multi-resistent sind.
Deshalb ist die Beachtung der Maßnahmen der Standardhygiene von grundlegender Bedeutung, um vermeidbare Erregerübertragungen wirklich zu vermeiden. Auch weil wir nicht wissen (können), welcher Patient / Patientin potentielle Infektionserreger, inkl. (multi-)resistenter Erreger, im Körper beherbergt, ist die Beachtung der Standardhygiene so bedeutsam, und zwar von Anfang der Behandlung an, also ab der stationären Aufnahme (bzw. entsprechend ab Beginn einer medizinischen Behandlung außerhalb des Krankenhauses).